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Die Länge des Kinns spielt eine entscheidende Rolle im Harmoniebild des Gesichts. Im Idealfall bilden der vorderste Punkt der Stirn und das Kinn eine Ebene. Wenn das Kinn hinter dieser Linie liegt, spricht man vom fliehenden Kinn, reicht es zu weit nach vorn, spricht man vom vorstehenden Kinn. Ein fliehendes Kinn lässt die Nase länger und größer erscheinen.
Am häufigsten führe ich Kinnkorrekturen gemeinsam mit Nasenkorrekturen durch, obwohl den meisten PatientInnen die Bedeutung des Kinns für die Gesichtsharmonie völlig unbekannt ist. Das zeigt sich immer wieder während der Planung einer Nasenkorrektur mit dem Computersimulationsprogramm.
Dabei gefällt acht von zehn Patienten mit fliehendem Kinn das angefertigte Computer-Simulations-Bild mit der Kinnverlängerung deutlich besser als die Simulation, bei welchem lediglich die korrigierte Nase gezeigt wird. Faszinierend ist vor allem, dass fast alle Befragten bei Betrachtung der beiden Simulationsbilder die Manipulation des Kinns gar nicht erkennen und auf meine Frage, „Welche Nase gefällt Ihnen besser?“, auf das Bild mit dem korrigierten Kinn zeigen, obwohl die Nase unverändert geblieben ist und lediglich das Kinn verlängert wurde. Ähnlich verhält es sich mit Bildern, wo Profilkorrekturen mit und ohne Verkürzung eines vorstehenden Kinns verglichen werden.
Nicht selten suchen mich PatientInnen wegen eines Doppelkinns auf, dessen Ursache aber kein schlaffer Hals oder vermehrtes Fett, sondern vielmehr ein fliehendes Kinn ist. Durch die Korrektur des fliehenden Kinns mit gleichzeitiger Platysmaraffung kann sowohl die Profilansicht des Gesichts als auch die Kontur des Halses entscheidend verbessert werden.
Die Verlängerung eines fliehenden Kinns wird in milden und mittleren Fällen (bis zu einem Projektionsdefizit von etwa 10 – 12 mm) mit einem Silikonimplantat durchgeführt; schwerwiegendere Fälle benötigen einen kieferorthopädischen Eingriff. Es gibt verschiedene Kinnimplantate, auf diese Weise kann man auf die individuellen Gesichtsformen gut Rücksicht nehmen (breiter oder schmaler Unterkiefer, runde oder flache Kinnspitze etc). Kinnimplantate heilen im Allgemeinen völlig problemlos ein und werden auch nicht als Fremdkörper empfunden.
Ein vorstehendes Kinn kann in milden Fällen abgefräst oder abgeschliffen werden, schwerere Fälle müssen kieferorthopädisch versorgt werden (versetzen, verplatten etc.).
Die erfolgreiche Korrektur eines fliehenden Kinns stellte für viele PatientInnen eine völlig unerwartete Verbesserung dar.